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Zeiten des Umbruchs erfordern richtungsweisende Lösungen und Konzepte. Energieversorger müssen schnellstmöglich klimaneutral werden – doch der Weg ist lang und beschwerlich.

Der Energiemarkt befindet sich inmitten eines massiven Umbruchs. Kunden, Regierungen und Stakeholder erwarten eine möglichst klimaneutrale Versorgung – gleichzeitig sollen die Leistungen aber bezahlbar und unterbrechungsfrei bleiben. Die Anbieter müssen ihre Anlagestrategien und Betriebsmodelle neu definieren, um weiterhin am Markt erfolgreich zu sein. Der Schlüssel dazu ist digitale Technologie.

Eine grüne Welt schaffen

Die gesamte Wertschöpfungskette wird sich tiefgreifend verändern. Oberste Priorität hat der Aufbau eines dezentralen Energiemarktes, der auf erneuerbaren Ressourcen basiert. Eine wichtige Rolle spielt es dabei, entsprechende Speicherkapazitäten zu schaffen – etwa mit kapazitätsstarken Batterien oder Wasserstoff-Stromspeichern. Außerdem braucht es schnellere, intelligente Netze, die mit den neuesten Technologien ausgestattet sind. Weitere Möglichkeiten entstehen durch Ökosysteme für Elektrofahrzeuge sowie energieeffiziente Häuser und das beschleunigte Datenwachstum. Die besondere Herausforderung dabei: Die Erwartungen der Kunden steigen immer weiter und wollen erfüllt werden.

Was zunächst wie eine To-Do-Liste für die Zukunft aussieht, ist bereits in vollem Gange. Im Jahr 2010 schlug Deutschland einen energiepolitischen Sonderweg ein. Das Ziel: zum Klimavorbild für andere große Volkswirtschaften werden. Bis 2022 will die Bundesregierung aus der Kernenergie und bis 2038 (möglicherweise auch schon 2030) aus der Kohleverstromung aussteigen. Um eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten, setzt Deutschland zunehmend auf erneuerbare Energien und senkt den Energieverbrauch im Allgemeinen.

Auf neue Technologien setzen

Energieversorger implementieren meist nur dann neue Lösungen, wenn sie zwingend darauf angewiesen sind. Wenn es jedoch darum geht, proaktiv neue Technologien einzuführen, reagiert die Branche eher träge. Die Anbieter arbeiten mit großen Summen und hohen Einsätzen – daher sind Umfang und Geschwindigkeit bei jedem Veränderungsprozess entscheidend. Eine Strategie für die digitale Transformation ist in dieser Branche besonders wichtig, da zwei zentrale Anpassungen vorgenommen werden müssen. Erstens müssen die Unternehmen bestehende Funktionen durch eine schrittweise Digitalisierung ausbauen. Und zweitens sollten sie völlig neue Funktionen ermöglichen, indem sie disruptive Technologien einführen.

Die Liste dieser Technologien wird täglich länger: erweiterte und virtuelle Realität (AR/VR/XR), Computer Vision, digitale Zwillinge, Smart Robotics, angewandtes maschinelles Lernen und Reinforcement Learning, Edge Computing, Blockchain, 5G und viele weitere. Werden die Technologien miteinander kombiniert, entstehen zukunftsweisende Lösungen für die industrielle Wertschöpfungskette. Maschinelles Lernen etwa kann Netzausfälle vorhersagen oder AR/VR Techniker unterstützen, Drohnen können Anlagen überwachen und digitale Zwillinge ganze Kraftwerke virtuell abbilden. Wir befinden uns am Beginn eines tiefgreifenden Wandels. Damit ein echter Durchbruch gelingt, braucht es allerdings mehr Zusammenarbeit und Engagement: Energieversorger müssen ihre Anlagen mit besseren Technologien ausstatten.

TCS und Bitkom Research haben kürzlich eine Umfrage in den wichtigsten Industriezweigen durchgeführt, um den aktuellen Entwicklungsstand der innovativen Technologien in Deutschland zu ermitteln.  Dabei wurden die Teilnehmenden gefragt, welche digitalen Technologien sie in ihrem Unternehmen bereits einsetzen oder möglicherweise in der Zukunft einführen werden. Mit 89 Prozent war Cloud Computing die häufigste Antwort, gefolgt von Big Data und Analytics mit 51 Prozent. Erstaunlicherweise gaben nur 13 Prozent an, Künstliche Intelligenz (KI) einzusetzen, obwohl diese als Zukunftstechnologie schlechthin gilt. Ein möglicher Grund dafür: hohe Investitionskosten und strenge Datenschutzanforderungen.

Gemeinsam in die Zukunft gehen

Innovation entsteht immer dann, wenn es eine aktuelle Herausforderung zu meistern gilt oder ein Unternehmen seiner Branche vorauseilen will. Durch digitale Technologien können völlig neue Geschäftsmodelle entstehen. Aber wie in vielen anderen Bereichen der Geschäftswelt gilt: Allein ist das nicht zu schaffen.

Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Energieversorger sollten Geschäftsbeziehungen innerhalb und außerhalb ihres Ökosystems aufbauen, beispielsweise mit Partnern aus anderen Versorgungsunternehmen, Technologieunternehmen, Firmen aus anderen relevanten Branchen, Bildungseinrichtungen und Start-ups.

Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel einer Zusammenarbeit zwischen einem Berliner Immobilienunternehmen, einem Energieversorger und den Berliner Wasserbetrieben. Gemeinsam haben sie eine kohlenstoffarme Technologie entwickelt, die Abwasser zur Wärme- und Kälteversorgung von Gebäuden nutzt. Ein weiteres Beispiel: Aus der Partnerschaft zwischen einem Energieversorger und einem deutschen Fahrzeughersteller ist eine Plug-and-Play-Lösung für den schnellen Aufbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge entstanden.

Was kommt als Nächstes?

Wasserstoff wird schon seit geraumer Zeit als Energieträger einer grünen Zukunft gehandelt – seine Verwendung hat bereits eine enorme Dynamik entwickelt. Derzeit wird er hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen hergestellt, aber durch die sinkenden Kosten für Wind- und Solarenergie wächst das Interesse an grünem Wasserstoff aus Elektrolyseverfahren. Herstellung und Transport von grünem Wasserstoff in großem Maßstab ist für die Akteure der Energiewirtschaft ein attraktives Gebiet für Innovationen und Zusammenarbeit geworden.

Das Vorhaben, Wasserstoff in großen Mengen zu nutzen, stößt vor allem in Ländern mit hohen Windgeschwindigkeiten oder einer langen Küste, etwa Chile, Spanien oder Namibia, auf großes Interesse. Aus diesen Regionen könnte Wasserstoff nach Europa transportiert werden. Dazu müssten allerdings bestehende Erdgaspipelines ausgebaut werden. Kürzlich haben Deutschland und Namibia ein Abkommen unterzeichnet, das eine Partnerschaft für die künftige Entwicklung grüner Wasserstofftechnologie vorsieht.

Absichten und Pläne sind ein erster wichtiger Schritt, doch letztlich müssen die Unternehmen auch handeln. Innovation muss ein integraler Bestandteil der Unternehmenskultur werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten die Energieversorger Anreize für den Wandel schaffen, die alle Stakeholder ansprechen. Sie können an das Pflichtbewusstsein des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft appellieren oder ihnen vor Augen führen, wie mit ihrer Hilfe wichtige Innovation vorangetrieben werden können.

Laut der oben genannten Umfrage setzen nur 59 Prozent der Unternehmen während ihrer Transformation auf Changemanagement-Methoden. Dabei kann eine Innovationskultur nur auf diese Weise gewährleistet werden. Vom zielstrebigen Manager bis hin zum begeisterten Mitarbeiter: Die Energieversorgungsbranche muss den Wandel jetzt entschlossen vorantreiben. Nur mit einer proaktiven Haltung navigieren die Versorger auch in schwierigen Fahrwassern sicher in die Zukunft.

Santu Mandal

Business Head, Utilities Industry, Tata Consultancy Services, Germany

Riju Das

Engagement Manager, Utilities Industry, Tata Consultancy Services, Germany

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